Nachdem wir einige Tage zuvor noch locker mit Mathilde, Sarah und Marine durch Paris geschlendert waren,  durften wir uns maximal vorfreudig und gemeinsam mit der bezaubernden funky.cinderella auf den Weg nach Köln machen, um in einem Plüschsessel 6 Herrengedecke zu uns zu nehmen, von denen wir immerhin 4 + 1 serviert bekamen. Randvoll. Es war ein Fest!

Kongenialität sondergleichen: Frau von Welt, 500 Beine, der.grob, Taubenvergrämer und  MC Winkel entzifferten aus einer Unmenge von Buchstaben erst Worte, dann ganze Sätze und Geschichten, deren Skurrilität nicht einmal von der Realität übertroffen werden kann, möge sie sich auch noch so bemühen. Bisher dachten wir, dass die Realität in Wirklichkeit ganz anders ist. Stimmt aber so nicht. Die Geschichten, die wir vorgetragen bekamen, sind in unserem Paralleluniversum nachvollziehbar und somit gut aufgehoben.

Der kasachische Starchachansonnier Viktor Vaudeville und seine 3roberts, von denen lediglich (nach bekannter Vorgeschichte) der Bassist Marc Robert (mit auffälliger Gesichtsmuskelschwäche) an der Aufführung teilnehmen durfte, brachte zur Buchstabenverdauungshilfe seine klangewordenen Hymnen dem dankbaren Publikum, das inzwischen nahe der Hysterie kaum noch in den Sitzgelegenheiten zu halten war, zu Gehör. Perfekt intoniert und improvisiert, aus unserer maximal verwöhnten Sicht, war diese Darbietung allein schon vom Sound her im High Fidelity-Bereich anzusiedeln. Die minimal eingeschränkten örtlichen Begebenheiten (Decke im Verhältnis zum Bühnenboden 3,7 cm zu niedrig, Wandputz im Bereich der Mixeinheit unregelmäßig aufgetragen und somit linksseitiger Resonanzverlust von 35°, Raumklang um 8 cl unterdimensioniert) wurden von den Protagonisten gekonnt und taktvoll kompensiert, so dass sich unsere Hörgewohnheiten nur partiell neujustieren mussten. Gelungen ebenso die ausgefeilte Afterschowparty, bei der die Begeisterung des zahlreich erschienen Publikums in hemmungslosem Shopping an den Wühltischen (Buch und CD) gipfelte.

Als Stalker enttarnt wurden wir dann allerdings am Folgetag in Paderborn. Maximal enttäuscht durch die Tatsache (sic!), dass uns wegen Überfüllung der Eintritt in das Café Central verwehrt wurde, rieben wir die aufgetauten und epilierten Taubenkörper (als Autogramm am Vortag exklusiv vom Vergrämer in die erstandenen Bücher als Lesezeichen gelegt bekommen! ) ebenso  geräusch- wie sehnsuchtsvoll an die Glasfront des Lesesaals.

Die Ausnüchterungszelle war kalt und verfehlte ihre Wirkung durch hornhautumbrafarbene  Kacheln in keiner Weise. Heute ist uns ins Bewusstsein gerückt, dass man das nicht machen soll: Man darf zu solch einem Jahrhundertevent nicht zu spät kommen. Man muss vorher reservieren. Und Lesezeichen haben an Glasscheiben nichts zu suchen. Das nächste Mal werden wir dies beachten. Darauf freuen wir uns. Das nächste Mal. Du willst es doch auch! Ja. Immer wieder!